Weinort Briedel an der Mosel

Musik mit Horn und Tracht


Die Spanier haben den Flamenco, die Italiener den Belcanto und wir Deutschen die Blasmusik. Zehntausende aktive Musikanten engagieren  sich in vielen Musikkapellen des Landes. Der Großteil davon ist jung, aufgeschlossen und für alle musikalischen Ausritte zu begeistern. Blas- und Volksmusik haben die üblichen Plattitüden von eintönigen Schunkelmelodien und militärisch wirkenden Aufmärsche längst gesprengt.

Ein scheppernder Tusch eröffnet den zünftigen Marsch. Trompeten, Posaunen und Klarinetten dudeln um die Wette. Die gestrengen Mienen, die gerade Körperhaltung, die Parade erinnert stark an einen militärischen Aufmarsch. Nichts da, man ist lediglich Teil des Festumzuges des ebenso geselligen wie urigen Dorffestes. Die Dorfidylle erinnert an den Hort der unbezwingbaren Gallier. Das etwa 30-köpfige Ensemble der Musikkapelle ist mit Bierernst bei der Sache. Wäre ja noch schöner, denn schließlich sind die Musikkapellen nicht zur allgemeinen Erheiterung da. Und auch nicht bloß für gierige Blicke der Touristen mit ihren Fotoapparaten, wenngleich damit schon gern kokettiert wird. Vorrangig empfinden sie sich als gelebtes Brauchtum und tragende Säule der Volkskultur. Bei Platz- und Saalkonzerten oder kirchlichen Feiertagen rücken die Musikanten aus. Die Tradition will bewahrt werden. Bodenständigkeit und Heimattreue haben in Zeiten der Globalisierung Hochkonjunktur.

Auf dem Land geht kaum eine Geschäftseröffnung, eine Einweihung oder ein Fest ohne Kapelle vonstatten. Ohne schwingendes Blech fehlt der Rahmen, beinahe schon die Legitimation. Die Musikanten sind heutzutage sehr gut ausgebildet und jeder ist mit Eifer und Ehrgeiz bei der Sache, weiß Thomas Lex aus Mehring, der seit Januar die Musikkaplle Moseltal leitet, zu berichten. Die Volksmusik pflegen ist nicht das Bewahren der Asche, sondern das Weitertragen des Feuers. Sie ist viel bunter als man sie gemeinhin abstempeln will. Sie hatte seit jeher in der Mitte des Volkes ihren Ursprung und ist somit deren Spiegelbild. Sie ist obrikeitskritisch, hat auch erotische Züge und ist eben als Ventil der Gesellschaft zu deuten.

Autor: H.Otto Stölben, www.zum-eulenturm.de

Hochprozentige Schätze


Was heißt eigentlich Schnaps? Schnaps ist ein ursprünglich norddeutsche Wort, das dem Niederländischen entlehnt ist – Snap(p)s – und sich im Laufe der Jahrhunderte im ganzen deutschen Sprachraum verbreitet hat.

Selbstverständlich ist diese Bezeichnung auch für die hiesigen Edelbrände aus z.B. Trester oder Obst angewandt worden.

Eigentlich sollen die Araber den Schnaps erfunden bzw. entdeckt haben. Die Araber hatten es nämlich mit dem Destillieren. Das war die Kunst, flüssige Stoffe durch Verdampfung zu reinigen und zu trennen. Dadurch produzierten sie Essenzen, welche alle Düfte des Orients in sich bargen. Eines Tages destillierten sie vergorene Trauben. Das Destillat hatte einen nicht bekannten Duft und die Destillateure tranken reichlich davon, denn der Trunk schmeckte; doch nach einigen Retorten schliefen sie ein. Als sie erwachten, fragte der eine den anderen, „was haben wir da gebraut?“ Der andere antwortete: „Alkuhl“ Das heißt zu Deutsch „vergessen“! Der Schnaps war geboren und der Alkohol hatte seinen Namen.

Andere Quellen schreiben den alten Ägyptern die Nutzung von Schnaps zu. Der unwiderstehliche Blick der Kleopatra soll auf einen Schnapszauber bzw. auf ein Schapskosmetikum zurückzuführen sein.

Der Stand der Schnapsbrenner verdankt seinen Aufstieg aus bescheidenen Anfängen, paradoxerweise einer der größten Katastrophen des Mittelalters: der großen Pest von 1348/49, dem schwarzen Tod. In hunderten von hastig hergestellten „Pesttraktaten“ wurden die Symptome der Seuche beschrieben, Behandlungsmethoden verbreitet und Vorbeugemaßnahmen aufgezeigt. Als Zentrum der Behandlung: Aqua vitae, das Lebenswasser. Ob die keimtötende Wirkung des brennenden Wassers tatsächlich Leben gerettet hat, bleibt dahingestellt. Ärzte träufelten Alkohol auf Taschentücher und Gesichtsmasken um sich vor Ansteckung zu schützen, man badete buchstäblich in stark verdünntem Branntwein, verwendete ihn innerlich zur Stärkung des Organismus. Gerade dieser momentane große Bedarf führte zu weiteren technischen Neuerungen in den darauffolgenden 150 Jahren. Seit dem 14. Jahrhundert besitzen Ärzte und Apotheker Monopole auf die Herstellung des gebrannten Wassers – daneben gibt es schon bald die Zünfte der Weinbrenner. Und diese Weinbrenner stellen nun nicht ein Medikament oder einen Heiltrunk her, sondern ein Genußmittel. Eine Medizin, die die Lebensqualität derart steigerte (man erwähnt auch die „starke“ Wirkung auf schöne Frauen und liebende Paare.....) blieb wohl nicht lange allein den Kranken vorbehalten.

Autor: H.Otto Stölben,www.zum-eulenturm.de